Klänge
Harmonie und Akkord

In der Musiktheorie und -praxis herrscht häufig eine Begriffsverworrenheit, der gleich anfangs begegnet und deshalb allgemeinen Betrachtungen etwas mehr Platz eingeräumt werden soll.
Harmonie beschreibt das Wesen eines Klanges, seine klangliche Bildung und die "sich daraus ergebenden Konsequenzen"¹, Verwandtschaften und Beziehungen mit und zu anderen Klängen unter Berücksichtigung akustischer Grundlagen.
So gehört der Begriff Prime zur Harmonielehre: denn Prime meint die „klangliche Keimzelle"¹ eines Klanges, in C-Dur also als aufwärtsstrebigen charakteristischen Durklang den "tiefsten" Ton c, dagegen in a-Moll als abwärtsstrebigen charakteristischen Moll-Klang den „höchsten" Ton e. Damit begegnen wir dem Prinzip der Spiegelbildlichkeit von Dur und Moll, das erstmals von Gioseffo Zarlino (1517-1590) in „Istituzioni harmoniche"² dargelegt und Grundlage dualistischer Harmonielehre wurde.

       
  Harmonie Dur - Moll
     
Ausdruck

Anders ist es beim Begriff Grundton, der in C-Dur den Ton c und in a-Moll den den Ton a als „räumlich" tiefsten Ton der Grundstellung im Terzenaufbau meint, und somit der Kategorie Akkord angehört. Akkorde sind die Realisierungen und Erscheinungen harmonischer Verhältnisse. Begriffe wie Quartextakkord oder Terzlage berühren nicht das Wesen sondern nur die Erscheinungsform des Klanges.
So ist Paul Schenks Anmerkung, daß „unter dem Werktitel Harmonielehre vorliegende Arbeiten strenggenommen oft nur Akkordlehren sind"¹ noch immer aktuell.
Durch das Zusammenwirken von zwei Tönen ensteht ein Intervall, welches für Melodik und Harmonik der Grundbaustein ist. Die Einheit von mehr als zwei Tönen ergibt den Klang, in der Lehre unterscheidet man zwischen Drei-, Vier- und Vielklängen.
In mitteleuropäischer Musiktradition ist der Terzenaufbau von wesentlicher Bedeutung. Daher kann ein Klang in verschiedenen Versetzungsformen in Umstellungen, durch Jean-Philippe Rameau (1683-1764) Verwirrung stiftender Weise auch als Umkehrungen bezeichnet, und Lagen auftreten.

       
  Umstellungen
     

       
  Lagen
     
Beispiele zum Ausdrucken

Umstellungen und Lagen können in unterschiedlichen Kombinationen auftreten, der Basston bestimmt die Umstellungsart, der Diskantton die Lage, die Mittelstimmen können beliebig variieren.
Ein großer Teil der Bezeichnungen stammt aus der Generalbasspraxis, eine Art Kurzschrift für Akkorde aus der Zeit etwa von 1600 - 1750, die Ziffern geben den Akkordaufbau - insbesondere die Abweichungen vom regulären Terzenaufbau - jedoch nicht den ideellen Sinn (s.o.) an.

Der Ausbau dieser Harmonielehre wird fortgesetzt, s. auch Diat. Terzverwandte, Chrom. Terzverwandte
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